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Mann·Vitalis

Referenzkarten

Deinen Wert einordnen

Du kommst mit einem Laborzettel und willst eine Zahl verstehen. Hier sind die gängigen Orientierungsbereiche — und der wichtigere Teil: was ein Wert aussagt und was nicht. Die Beurteilung im Einzelfall macht die Ärztin oder der Arzt.

Gerade einen grenzwertigen Wert bekommen? → Was jetzt zu tun ist

Herz & Stoffwechsel

Blutdruck

in mmHg, Praxismessung; Heim- und 24-Stunden-Werte liegen etwas niedriger

Optimal
unter 120 / 80
Normal / hochnormal
120–139 / 80–89
Bluthochdruck (Praxis)
ab 140 / 90 (mehrfach gemessen)
Heim-/24-h-Grenze
ab ~135 / 85 im Tagesmittel

Sagt aus: Der Verlauf und der Mittelwert mehrerer Messungen zählen, nicht ein Einzelwert. Bei jüngeren Männern ist ein erhöhter unterer (diastolischer) Wert besonders aussagekräftig.

Sagt nicht aus: Eine einzelne hohe Messung — etwa beim Arzt („Weißkittel-Effekt“), nach Kaffee, Stress oder Aufregung — ist noch kein Bluthochdruck. Bestätigt wird die Diagnose per Heim- oder Langzeitmessung.

Nüchternblutzucker & HbA1c

Normal
nüchtern < 100 mg/dl · HbA1c < 5,7 %
Prädiabetes
nüchtern 100–125 mg/dl · HbA1c 5,7–6,4 %
Diabetes
nüchtern ≥ 126 mg/dl · HbA1c ≥ 6,5 % (zweimalig)

Sagt aus: Prädiabetes ist ein Warnsignal und mit Ernährung und Bewegung oft rückbildungsfähig. Der HbA1c bildet den Durchschnitt der letzten 8–12 Wochen ab.

Sagt nicht aus: Ein einzelner grenzwertiger Nüchternwert ist noch keine Diagnose — er wird kontrolliert. Kurzfristige Ausreißer entstehen durch Krankheit, Stress oder eine sehr kohlenhydratreiche Vormahlzeit.

LDL-Cholesterin

Zielwerte hängen vom Gesamt-Herz-Kreislauf-Risiko ab

Niedriges Risiko
unter ~ 115 mg/dl (3,0 mmol/l)
Hohes Risiko
unter ~ 70 mg/dl (1,8 mmol/l)
Sehr hohes Risiko (z. B. nach Herzinfarkt)
unter ~ 55 mg/dl (1,4 mmol/l)

Sagt aus: Nicht der Einzelwert entscheidet, sondern das Gesamtrisiko aus Alter, Blutdruck, Rauchen, Diabetes und Vorerkrankungen. Danach richtet sich der individuelle Zielwert.

Sagt nicht aus: Ein „normaler“ Laborreferenzbereich auf dem Zettel ist nicht dasselbe wie dein persönlicher Zielwert. Ein leicht erhöhter Wert ohne weitere Risikofaktoren ist meist kein Grund für Medikamente.

Kalium im Blut (Serumkalium)

Normalbereich
ca. 3,6–5,0 mmol/l
Kaliummangel (Hypokaliämie)
unter 3,6 mmol/l
Kaliumüberschuss (Hyperkaliämie)
über 5,0 mmol/l — ärztlich abklären

Sagt aus: Werte außerhalb des Bereichs betreffen direkt die Erregbarkeit von Muskeln und Herz. Ein Mangel kommt fast immer von Entwässerungstabletten, Durchfall/Erbrechen oder Abführmitteln, nicht von der Ernährung.

Sagt nicht aus: Ein normaler Wert schließt einen Gesamtkörper-Mangel nicht völlig aus, weil das meiste Kalium in den Zellen sitzt. Ein hoher Wert kann auch durch eine verzögerte Blutprobe („Hämolyse“) vorgetäuscht sein.

Hormone

Gesamttestosteron

morgens (7–11 Uhr), nüchtern, mind. zweimal gemessen

Normalbereich
ca. 12–35 nmol/l (≈ 350–1000 ng/dl)
Graubereich
8–12 nmol/l — freies Testosteron ergänzen
wahrscheinlicher Mangel
< 8 nmol/l plus passende Symptome

Sagt aus: Erst niedrige Messwerte zusammen mit typischen Beschwerden (Libido, morgendliche Erektionen, Antrieb) ergeben einen behandlungsbedürftigen Mangel.

Sagt nicht aus: Ein niedriger Einzelwert ohne Symptome ist kein Mangel. Werte schwanken tageszeitlich und sinken vorübergehend bei Infekt, Stress, Schlafmangel und Übergewicht.

TSH — Schilddrüsen-Steuerhormon

grober Orientierungsbereich; laborabhängig

Normalbereich
ca. 0,4–4,0 mU/l
erhöht
Verdacht auf Unterfunktion — fT4 ergänzen
erniedrigt
Verdacht auf Überfunktion — fT3/fT4 ergänzen

Sagt aus: TSH reagiert sehr empfindlich und ist der beste erste Suchtest. Bei Symptomen wie Hitzeintoleranz, Herzrasen und Gewichtsverlust (Überfunktion) oder Müdigkeit, Frieren und Verstopfung (Unterfunktion) klärt es die Richtung.

Sagt nicht aus: Ein leicht auffälliger TSH ohne Beschwerden ist oft vorübergehend (nach Infekt, bei Schlafmangel) und wird zunächst nur kontrolliert. Ein Screening ohne Symptome bringt meist mehr Verunsicherung als Nutzen.

Nährstoffe & Blutbild

Ferritin — Speichereisen

immer zusammen mit CRP beurteilen (steigt bei Entzündung)

Eisenmangel wahrscheinlich
unter ~ 30 µg/l
Graubereich bei Beschwerden
30–100 µg/l
üblicher Bereich (Mann)
ca. 30–300 µg/l

Sagt aus: Ferritin bildet die Eisenspeicher ab und fällt früher als das Hämoglobin. Bei Müdigkeit, Haarausfall oder Restless Legs mit niedrigem Ferritin lohnt sich ein Ausgleich — beim Mann immer mit Suche nach der Blutungsquelle.

Sagt nicht aus: Ein „normaler“ Ferritinwert schließt einen Eisenmangel nicht aus, wenn gleichzeitig eine Entzündung besteht (CRP erhöht) — Ferritin steigt dann falsch hoch. Ein hoher Wert allein bedeutet nicht „zu viel Eisen“.

Vitamin D (25-OH-Vitamin-D)

Mangel
unter 20 ng/ml (50 nmol/l)
suboptimal
20–30 ng/ml
ausreichend
30–60 ng/ml
Überversorgung / Vorsicht
über 100 ng/ml

Sagt aus: Im Winterhalbjahr (Oktober–März) liegen viele Menschen in Deutschland unter dem ausreichenden Bereich. Eine Zufuhr von 800–1.000 IU pro Tag über die dunklen Monate ist für die meisten sinnvoll und sicher.

Sagt nicht aus: „Je höher, desto besser“ gilt nicht — sehr hohe Spiegel bringen keinen Zusatznutzen und können bei Dauerhochdosis schaden (Hyperkalzämie). Für ein routinemäßiges Screening bei Gesunden gibt es keine Empfehlung.

Vitamin B12

Serum-B12 ist ungenau — bei Graubereich Holo-Transcobalamin und Methylmalonsäure ergänzen

wahrscheinlich ausreichend
Serum-B12 über ~ 300 pg/ml (221 pmol/l)
Graubereich
200–300 pg/ml — aktives B12 / MMA bestimmen
Mangel wahrscheinlich
unter ~ 200 pg/ml oder MMA erhöht

Sagt aus: Holo-Transcobalamin (aktives B12) und Methylmalonsäure erkennen einen funktionellen Mangel früher als der Gesamtwert. Risikogruppen: hohes Alter, vegane Ernährung, Säureblocker, Metformin-Langzeit, Magen-Darm-Erkrankungen.

Sagt nicht aus: Ein normaler Serum-B12-Wert schließt einen Mangel im Gewebe nicht sicher aus. Nach Algen- oder Spirulina-Präparaten kann der Wert durch inaktive Analoga falsch hoch erscheinen.

Homocystein

wünschenswert
unter ~ 10–12 µmol/l
leicht erhöht
12–30 µmol/l — Folat, B12, B6 prüfen

Sagt aus: Ein erhöhter Wert ist ein Hinweis auf einen Mangel an Folat, Vitamin B12 oder B6 und gilt als Risikomarker für Gefäßerkrankungen.

Sagt nicht aus: Homocystein mit B-Vitaminen zu senken hat in großen Studien keine Herzinfarkte verhindert. Ein erhöhter Wert ist ein Anlass, die B-Vitamin-Versorgung zu prüfen — kein eigenständiges Behandlungsziel.

Zink & Selen im Serum

störanfällig; morgens nüchtern, nicht während eines Infekts

Zink (Orientierung)
ca. 70–120 µg/dl
Selen (Orientierung)
ca. 80–120 µg/l

Sagt aus: Sinnvoll nur bei konkretem Verdacht oder Risikoprofil (streng vegane Ernährung, chronische Darmerkrankung, Dialyse). Ein nachgewiesener Mangel wird gezielt ausgeglichen.

Sagt nicht aus: Beide Werte schwanken tageszeitlich und sinken bei jeder Entzündung — ein einzelner niedriger Wert im Infekt beweist keinen Mangel. Ohne Risiko oder Symptome ist die Messung nicht nötig, und hohe Selenzufuhr kann schaden.

Magnesium

Referenzzufuhr Erwachsene
ca. 350 mg/Tag (Männer), 300 mg/Tag (Frauen)
Obergrenze für Supplemente
250 mg/Tag zusätzlich zur Nahrung (EFSA)

Sagt aus: Die Zufuhr über Ernährung plus ggf. Ergänzung ist die praktisch relevante Größe. Nüsse, Vollkorn, Hülsenfrüchte und grünes Gemüse sind die besten Quellen.

Sagt nicht aus: Der Serum-Magnesium-Wert bildet den Körperbestand schlecht ab (nur rund 1 % des Magnesiums liegt außerhalb der Zellen) — ein normaler Laborwert schließt eine knappe Versorgung nicht sicher aus.

Prostata

PSA — prostataspezifisches Antigen

häufig genutzte altersabhängige Orientierungswerte in ng/ml

40–49 Jahre
bis ~ 2,5
50–59 Jahre
bis ~ 3,5
60–69 Jahre
bis ~ 4,5
70–79 Jahre
bis ~ 6,5

Sagt aus: Der Verlauf über die Zeit ist aussagekräftiger als ein Einzelwert. Ein rascher Anstieg oder ein auffälliger Tastbefund führt zu weiterer Abklärung (MRT, ggf. Biopsie).

Sagt nicht aus: Ein einzelner erhöhter Wert beweist keinen Krebs — er steigt auch bei gutartiger Vergrößerung, Entzündung, nach Radfahren, Sex oder Tastuntersuchung. Unter Finasterid/Dutasterid halbiert er sich.

IPSS — Prostata-Symptomscore

7 Fragen, 0–35 Punkte, plus eine Frage zur Lebensqualität

0–7 Punkte
leichte Symptomatik — beobachten genügt oft
8–19 Punkte
mittelschwer — urologische Abklärung sinnvoll
20–35 Punkte
schwer — zeitnah ärztlich behandeln

Sagt aus: Der IPSS misst die Schwere der Beschwerden und eignet sich sehr gut, um den Verlauf unter einer Behandlung zu verfolgen.

Sagt nicht aus: Er ist kein Diagnoseinstrument und sagt nichts über die Ursache oder die Größe der Prostata aus. Warnzeichen wie Blut oder Fieber erfasst er nicht.

Leber & Niere

Leberwerte (GPT/ALT, GGT)

laborabhängig; Werte für Männer

GPT / ALT
bis ~ 50 U/l
GGT (Gamma-GT)
bis ~ 60 U/l
leicht erhöht
bis ~ 2–3-fach — häufig Fettleber, Alkohol, Medikamente

Sagt aus: Die häufigste Ursache dauerhaft leicht erhöhter Leberwerte ist die nicht-alkoholische Fettleber. Sie bessert sich mit Gewichtsabnahme, Bewegung und weniger Alkohol — nicht mit „Leber-Detox“.

Sagt nicht aus: Ein einmalig leicht erhöhter Wert nach durchzechtem Wochenende oder einem Infekt ist meist harmlos und normalisiert sich. Ein normaler Wert schließt eine Lebererkrankung nicht komplett aus.

Nierenfunktion (eGFR, Kreatinin)

eGFR = geschätzte Filtrationsleistung in ml/min/1,73 m²

normal
eGFR ≥ 90
leicht vermindert
eGFR 60–89 (ohne weitere Zeichen meist unkritisch)
chronische Nierenkrankheit
eGFR < 60 über mehr als 3 Monate

Sagt aus: Die Nierenfunktion ist wichtig für die Sicherheit von Nahrungsergänzung: Bei eingeschränkter Niere sind Kalium- und Magnesium-Präparate riskant. Vor einer Supplementierung dieser Mineralstoffe lohnt der Blick auf die eGFR.

Sagt nicht aus: Ein einzelner grenzwertiger Kreatininwert — etwa nach starkem Krafttraining, Flüssigkeitsmangel oder proteinreicher Mahlzeit — ist noch keine Nierenerkrankung. Entscheidend ist der Verlauf.

Orientierungswerte, keine verbindlichen Grenzwerte. Labore verwenden unterschiedliche Referenzbereiche und Einheiten. Maßgeblich ist immer die Beurteilung durch deine Ärztin oder deinen Arzt im Zusammenhang mit Beschwerden und Vorgeschichte.

Nahrungsergänzung und Medikamente: Wechselwirkungs-Check