Säule · Blutdruck
Unterer Blutdruckwert zu hoch: was der diastolische Wert bedeutet
Ein isoliert erhöhter unterer Wert ist bei Männern in den 30ern bis 50ern häufig. Was der diastolische Blutdruck aussagt, warum er steigt und was ihn senkt.
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Kurzbefund
Der untere (diastolische) Wert ist der Druck in den Gefäßen zwischen zwei Herzschlägen. Ein isoliert erhöhter unterer Wert (z. B. 130/95) ist bei jüngeren und mittelalten Männern typisch und meist Folge eines erhöhten Gefäßwiderstands — Übergewicht, Bewegungsmangel, Salz, Alkohol, Stress. Die Maßnahmen sind dieselben wie bei jedem Bluthochdruck.
Beim Blutdruck bekommt der obere Wert die meiste Aufmerksamkeit. Dabei melden sich viele Männer mittleren Alters mit dem umgekehrten Muster: oberer Wert grenzwertig normal, unterer Wert zu hoch — etwa 128/96. Was das bedeutet und was jetzt sinnvoll ist.
Was der untere Wert misst
Bei jedem Herzschlag steigt der Druck in den Arterien kurz an — das ist der systolische (obere) Wert. In der Pause bis zum nächsten Schlag fällt er auf einen Grundwert ab, gehalten von der Spannung der Gefäßwände — das ist der diastolische (untere) Wert. Er spiegelt vor allem den Widerstand in den kleinen Arterien wider: Sind die Gefäße eng gestellt und steif, bleibt der Druck auch zwischen den Schlägen hoch.
Ab wiederholt gemessenen 90 mmHg diastolisch (bei Praxismessung) bzw. etwa 85 mmHg im häuslichen Mittel spricht man von Bluthochdruck — unabhängig davon, wie der obere Wert liegt.
Wo liegt dein Wert?
Blutdruck-Kategorien in mmHg nach den europäischen Leitlinien (ESC/ESH). Es reicht schon ein Wert im höheren Bereich, um in diese Kategorie zu fallen.
Optimal
sys < 120
dia < 80
Normal
sys 120–129
dia 80–84
Hochnormal
sys 130–139
dia 85–89
Hypertonie 1
sys 140–159
dia 90–99
Grad 2 +
sys ≥ 160
dia ≥ 100
Maßgeblich sind mehrere Messungen in Ruhe, am besten zu Hause über eine Woche gemittelt. Einzelne hohe Werte in der Praxis („Weißkitteleffekt“) sind noch keine Diagnose.
Warum gerade der untere Wert steigt
Ein isoliert diastolischer Bluthochdruck — oberer Wert normal, unterer erhöht — ist besonders bei Männern zwischen 30 und 55 häufig. Dahinter steht meist ein erhöhter peripherer Gefäßwiderstand bei noch elastischer Hauptschlagader. Begünstigende Faktoren:
- Übergewicht, vor allem am Bauch
- Bewegungsmangel
- hoher Salzkonsum (Fertiggerichte, Wurst, Brot, Restaurant-Essen)
- Alkohol — regelmäßig und in Mengen
- chronischer Stress und schlechter Schlaf, auch Schlafapnoe (Schnarchen mit Atemaussetzern)
- Rauchen
Im höheren Alter versteift sich die Hauptschlagader zunehmend; dann sinkt der untere Wert oft wieder, während der obere steigt (isoliert systolischer Hochdruck). Der isoliert diastolische Typ ist also eher ein „Jüngeren-Muster“.
Wie ernst ist das?
Ein dauerhaft erhöhter unterer Wert ist mit einem höheren Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenschäden verbunden — auch wenn der obere Wert normal ist. Gleichzeitig ist es kein Grund zur Panik: Es ist ein gut beeinflussbarer Risikofaktor, kein akutes Ereignis. Wichtig ist, ihn nicht zu ignorieren, sondern in den nächsten Wochen anzugehen und ärztlich einordnen zu lassen — auch, um eine Schlafapnoe oder seltene Ursachen (Nieren, Hormone) auszuschließen.
Was den (diastolischen) Blutdruck senkt
- Ausdauer- und Krafttrainingstarke EvidenzEvidenz: belastbar
Meta-Analysen: im Mittel mehrere mmHg weniger, systolisch wie diastolisch.
- Gewichtsabnahme bei Übergewichtstarke EvidenzEvidenz: belastbar
Rund 1 mmHg pro Kilogramm Gewichtsverlust (Meta-Analyse randomisierter Studien).
- Kochsalz reduzierenstarke EvidenzEvidenz: belastbar
Cochrane 2013: moderate Salzreduktion senkt den Blutdruck messbar, stärker bei Hypertonie.
- Kalium über die Ernährung erhöhengemischte EvidenzEvidenz: gemischt
Mehr Gemüse/Obst/Hülsenfrüchte senkt den Blutdruck leicht (BMJ 2013; J Hypertens 2015).
- Alkohol reduzierenstarke EvidenzEvidenz: belastbar
Weniger Alkohol senkt den Blutdruck dosisabhängig.
- Schlafapnoe behandeln (falls vorhanden)gemischte EvidenzEvidenz: gemischt
CPAP senkt den Blutdruck moderat, vor allem bei Tagesmüdigkeit.
Was ihn senkt — konkret
Die Reihenfolge, die den größten Hebel bietet: regelmäßige Bewegung (Ausdauer plus etwas Kraft, an den meisten Tagen), Gewicht reduzieren, wenn Übergewicht besteht, Salz herunterfahren (Fertigprodukte, Wurst, Salzgebäck; nicht nachsalzen), Alkohol reduzieren, Schlaf verbessern und Schnarchen mit Atemaussetzern abklären lassen, nicht rauchen. Details und die Studienlage stehen im Beitrag Hausmittel gegen hohen Blutdruck. Reichen die Lebensstil-Maßnahmen nicht oder ist das Risiko hoch, sind blutdrucksenkende Medikamente wirksam und gut verträglich — das entscheidet die behandelnde Praxis.
Mitnehmen
- 01Der untere Wert misst den Druck zwischen den Herzschlägen — vor allem den Widerstand der kleinen Arterien.
- 02Ein isoliert erhöhter unterer Wert ist bei Männern zwischen 30 und 55 häufig und meist lebensstilbedingt.
- 03Ab wiederholt 90 mmHg (Praxis) bzw. 85 mmHg (zu Hause) gilt er als Bluthochdruck — unabhängig vom oberen Wert.
- 04Es ist ein gut beeinflussbarer Risikofaktor: Bewegung, Gewicht, weniger Salz und Alkohol wirken.
- 05Ärztlich abklären lassen — auch, um Schlafapnoe und seltene Ursachen auszuschließen.
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- 01Cornelissen VA, Smart NA. Exercise training for blood pressure: a systematic review and meta-analysis. J Am Heart Assoc. 2013. PubMed ↗
- 02Neter JE et al. Influence of weight reduction on blood pressure: a meta-analysis of randomized controlled trials. Hypertension. 2003. PubMed ↗
- 03He FJ, Li J, MacGregor GA. Effect of longer-term modest salt reduction on blood pressure. Cochrane Database Syst Rev. 2013. PubMed ↗
- 04Poorolajal J et al. Daily potassium intake and sodium-to-potassium ratio in the reduction of blood pressure: a meta-analysis of randomized controlled trials. J Hypertens. 2015. PubMed ↗
- 052023 ESH Guidelines for the management of arterial hypertension.