Säule · Testosteron
Hitzewallungen beim Mann: von Testosteronmangel bis Schilddrüse
Hitzewallungen sind kein reines Frauenthema. Beim Mann steckt am häufigsten ein ausgeprägter Testosteronmangel dahinter — vor allem nach Hormonentzug bei Prostatakrebs. Aber auch Schilddrüse, Medikamente, Blutzucker und seltene Tumoren kommen infrage.
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Mann-Vitalis Dossier
Kurzbefund
Anfallsartige Hitze mit Schweißausbruch, oft an Kopf, Hals und Oberkörper, manchmal mit Herzklopfen und anschließendem Frösteln — das gibt es auch bei Männern. Häufigste Ursache ist ein deutlich erniedrigter Testosteronspiegel: klassisch nach einer Hormonentzugstherapie bei Prostatakrebs (bei bis zu 80 %), seltener bei einem schweren spontanen Hypogonadismus. Weitere Ursachen: Schilddrüsenüberfunktion, bestimmte Medikamente (u. a. einige Antidepressiva, Opioide, Tamoxifen, Kalziumantagonisten, Niacin), Unterzuckerungen, Alkohol, Fieber und Infekte, Angst- und Panikzustände, sehr selten hormonaktive Tumoren (Karzinoid, Phäochromozytom). Ein einmaliger Schweißausbruch ist harmlos; wiederkehrende Hitzewallungen, vor allem mit Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Herzrasen, Durchfall oder Blutdruckspitzen, gehören ärztlich abgeklärt.
„Hitzewallungen Mann“ suchen viele, die anfallsartige Hitze und Schweiß erleben und das nur von den Wechseljahren der Frau kennen. Beim Mann gibt es das auch — mit einem anderen Ursachenspektrum. Dieser Beitrag ordnet die Möglichkeiten und sagt, wann eine Abklärung nötig ist.
Was eine Hitzewallung ist
Eine Hitzewallung ist eine plötzliche Fehlregulation der Körpertemperatur: Das Wärmezentrum im Gehirn „meint“ kurzzeitig, der Körper sei überhitzt, und leitet Gegenmaßnahmen ein — die Hautgefäße weiten sich, es wird heiß im Gesicht, am Hals und am Oberkörper, man schwitzt, oft folgt Herzklopfen und danach ein Frösteln. Eine Episode dauert meist ein bis fünf Minuten.
Der Auslöser ist häufig eine Verschiebung im Hormonhaushalt, die auf das Wärmezentrum wirkt — bei der Frau der Östrogenabfall, beim Mann am ehesten ein starker Testosteronabfall. Aber auch ohne Hormonursache kann das System aus dem Takt geraten.
Testosteronmangel als Hauptursache
Der mit Abstand häufigste Grund für echte Hitzewallungen beim Mann ist ein ausgeprägter Testosteronmangel — und der klassische Fall ist die Hormonentzugstherapie (Androgendeprivation) bei Prostatakrebs. Dabei wird der Testosteronspiegel medikamentös oder operativ stark gesenkt; bis zu 80 % dieser Männer bekommen Hitzewallungen, oft mehrfach täglich und über Jahre. Das ist gut bekannt und wird von der behandelnden Urologie mitbetreut.
Auch ein schwerer spontaner Hypogonadismus — etwa durch eine Hodenfunktionsstörung oder eine Hypophysenerkrankung — kann Hitzewallungen machen, meist zusammen mit anderen Zeichen wie Libidoverlust, Antriebsschwäche, Muskelabbau (siehe Testosteronmangel ab 40). Der leichte, altersbedingte Rückgang des Testosterons um etwa 1 % pro Jahr reicht dagegen nicht aus, um Hitzewallungen zu erklären — hier sollte man andere Ursachen suchen, statt vorschnell Testosteron zu geben.
Hitzewallungen beim Mann — Ursachen
- Hormonentzug bei Prostatakrebs (ADT)starke EvidenzEvidenz: belastbar
Bis zu 80 % betroffen; häufigste Ursache; wird urologisch mitbehandelt.
- Schwerer Hypogonadismus (spontan)gemischte EvidenzEvidenz: gemischt
Möglich, meist mit weiteren Mangelzeichen; leichter Altersrückgang reicht nicht.
- Schilddrüsenüberfunktionstarke EvidenzEvidenz: belastbar
Hitzeintoleranz, Schwitzen, Herzrasen, Gewichtsverlust, Unruhe — TSH bestimmen.
- Medikamentegemischte EvidenzEvidenz: gemischt
U. a. einige Antidepressiva (SSRI/SNRI), Opioide, Tamoxifen, Kalziumantagonisten, Niacin, Vasodilatatoren.
- Unterzuckerung, Alkohol, Infekte, Angst/Panikgemischte EvidenzEvidenz: gemischt
Häufige, meist harmlose Auslöser situativer Schweißausbrüche.
- Hormonaktive Tumoren (Karzinoid, Phäochromozytom)dünne EvidenzEvidenz: dünn
Selten; typische Begleitzeichen: Durchfall/Flush (Karzinoid), Blutdruckkrisen/Kopfschmerz (Phäochromozytom).
Andere Ursachen
- Schilddrüsenüberfunktion: Hitzeintoleranz, feuchte warme Haut, Herzrasen, Zittern, Gewichtsverlust trotz Appetit, innere Unruhe. Ein einfacher TSH-Wert klärt das.
- Medikamente: Einige Antidepressiva (SSRI, SNRI, ältere trizyklische), Opioide, Tamoxifen (z. B. bei Männer-Brustkrebs oder Gynäkomastie), Kalziumantagonisten (Nifedipin), Niacin-Präparate, Cortison beim Ausschleichen. Ein zeitlicher Zusammenhang mit einem neuen Medikament ist ein starker Hinweis.
- Unterzuckerung: Schwitzen, Zittern, Heißhunger, Herzklopfen — vor allem bei Diabetes mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen, aber auch reaktiv nach zuckerreichen Mahlzeiten (siehe Unterzucker ohne Diabetes).
- Alkohol: weitet die Hautgefäße; „Flush“ und Nachtschweiß nach dem Trinken sind häufig.
- Infekte und Fieber: Schweißausbrüche, oft nachts. Anhaltender Nachtschweiß über Wochen ist ein Warnzeichen.
- Angst- und Panikattacken: Hitze, Schwitzen, Herzrasen, Beklemmung — die vegetative Komponente kann einer Hitzewallung sehr ähneln.
- Selten: Karzinoid-Tumoren (anfallsartiger Flush plus Durchfall), Phäochromozytom (Blutdruckkrisen, Kopfschmerz, Schwitzen), Lymphome (B-Symptomatik).
Wann abklären, was tun
Ärztlich abklären lassen, wenn Hitzewallungen:
- wiederholt auftreten und keinen klaren Auslöser haben
- mit ungewolltem Gewichtsverlust, anhaltendem Nachtschweiß, Fieber, Herzrasen, Durchfall oder Blutdruckspitzen einhergehen
- mit Libidoverlust, Antriebsschwäche, Muskelabbau zusammen auftreten (Testosteron und Hypophyse prüfen)
- nach dem Start eines neuen Medikaments begonnen haben
Die Basisabklärung ist unkompliziert: Anamnese (Medikamente, Alkohol, Diabetes, Prostatatherapie), TSH, Blutzucker/HbA1c, Blutbild, Testosteron (morgens), bei Verdacht gezielt weiter. Bei Hitzewallungen unter Hormonentzugstherapie gibt es wirksame Behandlungen (u. a. bestimmte Antidepressiva, Gabapentin, in Einzelfällen niedrig dosiertes Östrogen) — das steuert die Onkologie/Urologie. „Pflanzliche“ Mittel für „Wechseljahre des Mannes“ sind ohne belegte Wirkung; wichtiger ist, die Ursache zu finden.
Mitnehmen
- 01Hitzewallungen gibt es auch bei Männern — häufigste Ursache ist ein stark erniedrigtes Testosteron.
- 02Der klassische Fall ist die Hormonentzugstherapie bei Prostatakrebs (bis zu 80 % betroffen).
- 03Der leichte altersbedingte Testosteronrückgang erklärt keine Hitzewallungen — andere Ursachen suchen.
- 04Schilddrüse, Medikamente, Unterzucker, Alkohol, Infekte und Panik sind häufige weitere Auslöser.
- 05Abklären bei Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Herzrasen, Durchfall oder Blutdruckspitzen.
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Belege & Studien
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- 01Bhasin S et al. Testosterone therapy in men with hypogonadism: an Endocrine Society clinical practice guideline. J Clin Endocrinol Metab. 2018. PubMed ↗
- 02Leitlinienprogramm Onkologie (AWMF): S3-Leitlinie Prostatakarzinom — Nebenwirkungen der Androgendeprivation, Management von Hitzewallungen.
- 03Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie: Informationen zu Hyperthyreose und zu hormonaktiven Tumoren (Karzinoid, Phäochromozytom).
- 04EU-Register nährwert- und gesundheitsbezogener Angaben (keine zugelassene Angabe zu Nahrungsergänzung bei „Wechseljahren des Mannes“).