Säule · Blutdruck
Durchblutungsstörungen in den Beinen: Arterie oder Vene erkennen
„Durchblutungsstörung“ meint zwei sehr unterschiedliche Probleme — arteriell (pAVK) und venös. Die Behandlung ist fast gegensätzlich, deshalb lohnt das genaue Hinschauen.
Kurzbefund
Die arterielle Durchblutungsstörung der Beine (periphere arterielle Verschlusskrankheit, pAVK) macht typischerweise Wadenschmerz beim Gehen, der nach kurzem Stehen vergeht (Schaufensterkrankheit), dazu kalte, blasse Füße und schwer heilende Wunden. Sie ist ein Warnzeichen für Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Belegt wirksam: Rauchstopp, striktes Gehtraining, Statin, Blutdruck- und Diabeteseinstellung. Ein plötzlich kaltes, blasses, schmerzendes Bein ohne Puls ist ein Notfall. Die venöse Form (Schwere, Schwellung, Krampfadern) braucht das Gegenteil: Bewegung, Kompression, Hochlagern.
Wenn die Beine „nicht mehr richtig durchblutet“ sind, steckt meist eine von zwei Ursachen dahinter — eine arterielle oder eine venöse. Sie fühlen sich unterschiedlich an und werden gegensätzlich behandelt. Dieser Beitrag hilft beim Einordnen und zeigt, was wirklich hilft.
Arteriell oder venös?
Beide Formen werden umgangssprachlich „Durchblutungsstörung“ genannt, unterscheiden sich aber grundlegend:
- Arteriell (pAVK): Verkalkte, verengte Beinschlagadern liefern bei Belastung zu wenig Blut. Typisch ist ein krampfartiger Wadenschmerz beim Gehen, der nach einer kurzen Stehpause zuverlässig wieder verschwindet („Schaufensterkrankheit“, Claudicatio intermittens). Die Füße sind oft kühl und blass, die Behaarung geht zurück, kleine Wunden heilen schlecht, der Fußpuls ist abgeschwächt.
- Venös: Undichte Venenklappen lassen das Blut versacken. Typisch sind Schwere, Spannung und Schwellung, die im Tagesverlauf zunehmen und sich im Liegen oder mit hochgelegten Beinen bessern; dazu Krampfadern, bräunliche Verfärbungen am Innenknöchel und später das offene Bein.
Durchblutungsstörung am Bein: Arterie oder Vene?
Beide heißen umgangssprachlich „Durchblutungsstörung“, brauchen aber Gegenteiliges: die arterielle wird durch Gehen behandelt, die venöse durch Kompression und Hochlagern.
| Arteriell (pAVK) | Venös (Venenschwäche) | |
|---|---|---|
| Beschwerde | Wadenschmerz beim Gehen, der nach kurzem Stehen wieder vergeht (Schaufensterkrankheit) | Schwere, Spannung, Schwellung — abends schlimmer, im Liegen und mit Hochlagern besser |
| Haut & Aussehen | Blass, kühl, dünn; Haare weg; Nägel brüchig; Wunden heilen schlecht | Bräunliche Verfärbung am Innenknöchel, Krampfadern, Ekzem, später offenes Bein |
| Puls am Fuß | Abgeschwächt oder nicht tastbar | Normal tastbar |
| Ursache | Verkalkte, verengte Beinschlagadern — Durchblutung reicht bei Belastung nicht | Undichte Venenklappen — Blut versackt, Druck im Gewebe steigt |
| Was hilft | Rauchstopp, striktes Gehtraining, Statin und Blutdruck-/Diabeteseinstellung; bei schwerer Form Katheter oder OP | Bewegung, Kompressionsstrümpfe, Hochlagern; ggf. Verödung/OP der Krampfadern |
| Notfall | Plötzlich kaltes, blasses, schmerzendes Bein ohne Puls — sofort Klinik (akuter Verschluss) | Plötzlich dicke, überwärmte, schmerzende Wade — Verdacht auf Thrombose, rasch ärztlich |
pAVK: Bedeutung und Diagnose
Die periphere arterielle Verschlusskrankheit betrifft in Deutschland Millionen Menschen, viele davon ohne Beschwerden. Ihre wichtigste Botschaft steckt gar nicht im Bein: Wer eine pAVK hat, hat fast immer auch verkalkte Herzkranz- und Halsschlagadern und damit ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Die pAVK ist also ein Anlass, das gesamte Herz-Kreislauf-Risiko konsequent zu behandeln.
Die Diagnose ist einfach und schmerzlos: Die Ärztin misst den Blutdruck an Knöchel und Oberarm und bildet den Knöchel-Arm-Index (ABI); ein Wert unter 0,9 spricht für eine pAVK. Ergänzend kommen Ultraschall und, vor einem Eingriff, eine Gefäßdarstellung.
Was bei pAVK belegt hilft
- Rauchstopp — der wirksamste einzelne Schritt. Rauchen ist der stärkste Treiber der pAVK; Aufhören bremst das Fortschreiten und senkt die Amputations- und Herzinfarktrate.
- Gehtraining. Ein strukturiertes Gehprogramm — bis in den Wadenschmerz gehen, kurz pausieren, weitergehen, mehrmals pro Woche über Monate — verlängert die schmerzfreie Gehstrecke in einer Cochrane-Übersicht deutlich. Überwachtes Training wirkt am besten, aber auch ein diszipliniertes Heimprogramm hilft. „Schonen“ verschlechtert die Situation.
- Statin und die Einstellung von Blutdruck und Diabetes — nicht wegen des Beins allein, sondern zur Senkung des Herzinfarkt- und Schlaganfallrisikos.
- Thrombozytenhemmer (z. B. niedrig dosierte Acetylsalicylsäure) nach ärztlicher Maßgabe.
- Medikamente wie Cilostazol können die Gehstrecke bei einem Teil der Betroffenen etwas verbessern; bei stark einschränkender oder kritischer Durchblutung kommen Katheter (PTA) oder Bypass infrage.
Nahrungsergänzungsmittel — Ginkgo, L-Arginin, Vitamin E, „Durchblutungs-Kapseln“ — haben in Studien keinen überzeugenden Nutzen bei der pAVK und keinen zugelassenen Wirkungs-Claim. Die Zeit und das Geld sind in Rauchstopp und Gehtraining besser investiert.
Warnzeichen und Notfall
- Sofort in die Klinik: ein plötzlich kaltes, blasses, schmerzendes, gefühlloses Bein ohne tastbaren Puls — das kann ein akuter Arterienverschluss sein, bei dem jede Stunde zählt.
- Rasch ärztlich: Schmerzen in Fuß oder Zehen schon in Ruhe oder nachts, eine Wunde am Fuß, die nach Wochen nicht heilt, oder schwarze Stellen an den Zehen (kritische Durchblutung).
- Zeitnah abklären: reproduzierbarer Wadenschmerz beim Gehen, der beim Stehen vergeht — auch wenn er „auszuhalten“ ist.
- Verdacht auf Venenthrombose (nicht arteriell): eine plötzlich dicke, überwärmte, schmerzende Wade, meist einseitig — ebenfalls rasch ärztlich.
Mitnehmen
- 01„Durchblutungsstörung“ meint arteriell (pAVK) oder venös — die Behandlung ist fast gegensätzlich.
- 02pAVK: Wadenschmerz beim Gehen, der beim Stehen vergeht; kalte, blasse Füße; schwacher Fußpuls.
- 03Eine pAVK ist ein Marker für hohes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko.
- 04Belegt wirksam: Rauchstopp, strukturiertes Gehtraining, Statin, Blutdruck- und Diabeteseinstellung.
- 05Plötzlich kaltes, blasses, pulsloses Bein oder Ruheschmerz/nicht heilende Wunde: sofort bzw. rasch in die Klinik.
Unsicher, ob deine Beschwerden dringend sind?
Warnzeichen ansehenWeiterlesen
Nachgefragt
Häufige Fragen
Belege & Studien
3 anzeigen ▾einklappen ▴
- 01Lane R et al. Exercise for intermittent claudication. Cochrane Database Syst Rev. 2017. PubMed ↗
- 02Deutsche Gesellschaft für Angiologie: S3-Leitlinie „Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK), Diagnostik, Therapie und Nachsorge“.
- 03European Society of Cardiology (ESC): Guidelines on the Diagnosis and Treatment of Peripheral Arterial Diseases.