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Themenwelt · Testosteron

Testosteronmangel und Muskelabbau: was das Hormon leistet und was das Training

Testosteron hält Muskelmasse mit aufrecht — ein Mangel beschleunigt den altersbedingten Abbau. Eine Behandlung bringt messbar Magermasse, der Kraftgewinn im Alltag ist aber moderat. Der größere Hebel bleibt das Training.

Redaktion mann-vitalisAktualisiert 25.09.20264 Quellenca. 8 Min.Merkzettel
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Mann beim Krafttraining mit Hantel
Foto: Unsplash
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Testosteron: Mangel oder Alter?PDF · 11 Seiten
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Niedriges Testosteron ist mit weniger Muskelmasse und Kraft verknüpft. Eine Behandlung bei bestätigtem Mangel erhöht die Magermasse um etwa ein bis zwei Kilogramm, der funktionelle Kraftgewinn ist begrenzt. Krafttraining mit ausreichend Eiweiß ist der wirksamere und immer sinnvolle Ansatz.

Ab etwa 40 verlieren Männer ohne Gegensteuern langsam Muskelmasse und Kraft. Testosteron ist einer der Faktoren, die das mitsteuern — aber bei Weitem nicht der einzige. Wer den Muskelabbau aufhalten will, sollte wissen, was das Hormon beiträgt und was nicht.

Was Testosteron im Muskel macht

Testosteron wirkt anabol: Es steigert die Eiweißsynthese in der Muskelzelle, aktiviert muskeleigene Stammzellen (Satellitenzellen) und bremst den Abbau. Dieser Effekt ist dosisabhängig — je höher der Spiegel im therapeutischen Bereich, desto größer der Zuwachs an Muskelquerschnitt und Kraft, wie kontrollierte Dosisstudien an gesunden Männern gezeigt haben (Bhasin et al., 2003). Umgekehrt haben Männer mit niedrigem Testosteron im Querschnitt weniger Muskelmasse und Kraft (Zarotsky et al., 2014). Das erklärt, warum ein ausgeprägter Mangel den altersbedingten Abbau beschleunigen kann.

Wie Testosteronspiegel und Muskelmasse mit dem Alter zusammenhängen

Beide Kurven zeigen ab etwa 40 nach unten — aber nicht im Gleichschritt und nicht mit derselben Ursache. Der Testosteronspiegel sinkt um grob ein Prozent pro Jahr, stark beeinflusst von Gewicht und Erkrankungen. Der Muskelverlust (Sarkopenie) folgt einer eigenen Dynamik: Er beschleunigt sich mit jedem Jahrzehnt und hängt vor allem davon ab, wie viel Widerstand die Muskeln noch bekommen. Ein niedriger Hormonspiegel trägt bei, ist aber selten der Hauptgrund — das zeigt sich daran, dass gut trainierte Männer mit 60 mehr Muskelmasse haben als untrainierte 30-Jährige, obwohl ihr Testosteron niedriger liegt.

Testosteron sinkt langsam — nicht abrupt

Mittlerer Gesamttestosteron-Spiegel relativ zum Wert mit 25–35 Jahren (100 %).

100%80%60%40%25 J.45 J.65 J.85 J.
Schematisch nach Feldman et al., J Clin Endocrinol Metab 2002 · mann-vitalis

Was bringt eine Testosteronbehandlung für die Muskeln?

In der Muskel-Teilstudie der Testosterone Trials — über drei Jahre, an älteren Männern mit niedrigen Werten — stieg die Magermasse unter Behandlung an und die Fettmasse sank, im Bereich von ein bis zwei Kilogramm. Die funktionellen Verbesserungen — Treppensteigen, Gehstrecke, Aufstehen vom Stuhl — waren dagegen klein und im Alltag kaum spürbar (Storer et al., 2017). Eine Meta-Analyse bestätigt: mehr Magermasse, weniger Fett, aber begrenzter Effekt auf die messbare Kraft im Alltag (Corona et al., 2016). Testosteron ersetzt also kein Training — es verschiebt die Ausgangslage leicht.

Muskelerhalt ab 40 — was wirkt

  • Krafttraining (progressiv)starke EvidenzEvidenz: belastbar

    Der mit Abstand belegteste Weg, Muskelmasse und Kraft im Alter zu erhalten und aufzubauen — wirkt in jedem Alter und unabhängig vom Hormonstatus.

  • Ausreichend Eiweißstarke EvidenzEvidenz: belastbar

    Rund 1,2–1,6 g pro Kilogramm Körpergewicht, gleichmäßig über die Mahlzeiten verteilt, unterstützt den Muskelerhalt — besonders in Diätphasen.

  • Testosteronbehandlung bei Mangelgemischte EvidenzEvidenz: gemischt

    Erhöht Magermasse um ca. 1–2 kg, senkt Fettmasse; funktioneller Kraftgewinn im Alltag ist klein (Storer et al., 2017, PubMed).

  • Vitamin D bei Mangeldünne EvidenzEvidenz: dünn

    Ein Ausgleich eines echten Mangels kann die Muskelfunktion unterstützen; bei normalem Spiegel bringt zusätzliche Gabe nichts.

Muskelabbau ab 40 hat viele Ursachen

Der altersbedingte Muskelschwund (Sarkopenie) entsteht selten allein durch Hormone. Mit hinein spielen: sinkende Alltagsbewegung, zu wenig Eiweiß, wiederholte Phasen der Schonung nach Infekten oder Verletzungen, eine niedriggradige Entzündung, ein Vitamin-D-Mangel und eine schlechter werdende Signalübertragung von Nerv zu Muskel. Testosteron ist einer von mehreren Faktoren — und der einzige, den man ohne Training kaum sinnvoll beeinflussen kann.

Der stärkere Hebel: Training und Eiweiß

  • Krafttraining zwei- bis dreimal pro Woche, alle großen Muskelgruppen, mit langsam steigender Last. Auch mit 50, 60 oder 70 baut Muskulatur zuverlässig auf — der Aufbaureiz funktioniert lebenslang, er braucht nur mehr Erholungszeit.
  • Eiweiß: rund 1,2–1,6 g pro Kilogramm Körpergewicht am Tag, verteilt auf drei bis vier Mahlzeiten mit je 25–35 g. Ältere Muskeln reagieren träger auf Eiweiß, deshalb ist die gleichmäßige Verteilung wichtiger als bei jungen.
  • Creatin-Monohydrat (3–5 g täglich) ist das am besten belegte Nahrungsergänzungsmittel für Kraft und Muskelmasse in Kombination mit Training — unabhängig vom Hormonstatus und mit gutem Sicherheitsprofil.
  • Alltag: Treppe statt Aufzug, Tragen, zügiges Gehen, Aufstehen ohne Abstützen — jede Belastung zählt gegen den Abbau.
  • Schlaf und Regeneration: Muskelaufbau passiert in der Erholung, nicht im Training. Zu wenig Schlaf bremst den Aufbau und senkt zusätzlich den Testosteronspiegel.

Wann ein Hormontest sinnvoll ist

Wenn der Muskel- und Kraftverlust trotz regelmäßigem Training auffällig schnell geht und zusätzlich Symptome wie nachlassendes Verlangen, schwächere Morgenerektionen und Antriebsverlust bestehen, ist ein morgendlicher Testosteronwert sinnvoll — bei auffälligem Ergebnis wiederholt. Der AMS-Selbsttest in der Seitenleiste ordnet die Symptomlast vorab ein. Ein rascher Kraftverlust ohne diese Begleitsymptome führt eher zu anderen Ursachen: eine unbemerkte Erkrankung, zu wenig Eiweiß, eine lange Schonungsphase nach einem Infekt, ein Vitamin-D-Mangel. Zur Behandlung eines bestätigten Mangels: Testosteronmangel behandeln.

Mitnehmen

  • 01Testosteron wirkt anabol; ein Mangel ist mit weniger Muskelmasse und Kraft verbunden.
  • 02Eine Behandlung bringt ca. 1–2 kg Magermasse, der Alltags-Kraftgewinn ist klein.
  • 03Krafttraining und ausreichend Eiweiß sind der wirksamere und immer sinnvolle Ansatz.
  • 04Ein Hormontest lohnt, wenn der Abbau trotz Training schnell geht und weitere Mangel-Symptome bestehen.

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4 anzeigen ▾
  1. 01Bhasin S et al. Development of models to predict anabolic response to testosterone administration in healthy young men. Am J Physiol Endocrinol Metab. 2003. PubMed
  2. 02Storer TW et al. Effects of Testosterone Supplementation for 3 Years on Muscle Performance and Physical Function in Older Men. J Clin Endocrinol Metab. 2017. PubMed
  3. 03Corona G et al. Testosterone supplementation and body composition: results from a meta-analysis of observational studies. J Endocrinol Invest. 2016. PubMed
  4. 04Zarotsky V et al. Systematic literature review of the risk factors, comorbidities, and consequences of hypogonadism in men. Andrology. 2014. PubMed