Zum Inhalt springen
Mann·Vitalis

Themenwelt · Prostata

Vergrößerte Prostata: welche Medikamente helfen — und wann

Von schnell wirkenden Alpha-Blockern bis zu Wirkstoffen, die die Prostata schrumpfen lassen: ein nach Evidenz sortierter Überblick über die medikamentöse Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung.

Redaktion mann-vitalisAktualisiert 11.09.20267 Quellenca. 10 Min.Merkzettel
Schriftgröße
Weiße Tabletten auf einer hellen Fläche
Foto: Unsplash
Inhalt dieses Artikels ▾

Passender Check

IPSS-Selbsttest zur Prostata

Der validierte Fragebogen (7 Fragen, 0–35 Punkte) zur Schwere von Beschwerden beim Wasserlassen. Kein Ersatz für die urologische Abklärung.

Jetzt testen

Kostenloser Ratgeber

Prostata: Ruhe bewahren, richtig handelnPDF · 15 Seiten
HerunterladenAlle Beiträge zu Prostata
In 30
Sekunden

Alpha-Blocker lindern die Symptome schnell, bremsen aber nicht das Wachstum. 5-Alpha-Reduktase-Hemmer verkleinern die große Prostata und senken das OP-Risiko, wirken erst nach Monaten. Bei Drang zusätzlich drangdämpfende Mittel.

Nicht jede vergrößerte Prostata muss behandelt werden — aber wenn die Beschwerden stören, gibt es mehrere Wirkstoffgruppen mit unterschiedlichem Ansatz. Dieser Überblick zeigt, was sie leisten, was sie kosten (an Nebenwirkungen) und für wen sie gedacht sind.

Wann Medikamente sinnvoll sind

Eine gutartige Prostatavergrößerung wird nach dem Leidensdruck behandelt, nicht nach der Größe. Bei leichten Beschwerden (IPSS bis etwa 7) reichen oft kontrolliertes Abwarten und Verhaltensmaßnahmen. Ab mittelschweren Beschwerden (IPSS 8–19) oder deutlich sinkender Lebensqualität kommen Medikamente ins Spiel. Wo du auf dieser Skala stehst, kannst du mit dem IPSS-Fragebogen auf dieser Seite einordnen. Welche Symptome überhaupt zur BPH gehören, steht im Beitrag Symptome einer vergrößerten Prostata.

Alpha-Blocker

Wirkstoffe: Tamsulosin, Alfuzosin, Silodosin, Doxazosin, Terazosin.

Prinzip: Sie entspannen die glatte Muskulatur in Prostata und Blasenhals, der Harnabfluss wird leichter. Die Wirkung setzt innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen ein und verbessert den IPSS im Mittel um vier bis sechs Punkte (Lepor, 2016).

Grenzen: Sie behandeln nur die Symptome. Die Prostata wächst weiter, das Risiko für Harnverhalt oder eine spätere Operation sinkt nicht.

Nebenwirkungen: Schwindel und Blutdruckabfall (v. a. Doxazosin/Terazosin), verstopfte Nase, retrograde Ejakulation (Samenerguss in die Blase, v. a. Tamsulosin/Silodosin), sowie das Risiko für ein „Floppy-Iris-Syndrom“ bei einer späteren Grauer-Star-Operation — den Augenarzt vorab informieren.

5-Alpha-Reduktase-Hemmer

Wirkstoffe: Finasterid, Dutasterid.

Prinzip: Sie blockieren die Umwandlung von Testosteron in das für das Prostatawachstum entscheidende Dihydrotestosteron. Die Prostata schrumpft um etwa 20–25 % über sechs bis zwölf Monate. Der Nutzen ist am größten bei einer deutlich vergrößerten Drüse (ab etwa 30–40 ml).

Stärke: Als einzige Wirkstoffgruppe senken sie nachweislich das Risiko für akuten Harnverhalt und Operation (McConnell et al., MTOPS, 2003).

Nebenwirkungen: bei einem kleineren Teil der Männer Libidoverlust, Erektionsstörungen, weniger Ejakulatvolumen, selten Brustspannen. Wichtig für die Krebsfrüherkennung: Der PSA-Wert halbiert sich unter der Therapie — der Laborwert muss entsprechend verdoppelt interpretiert werden.

Was die Studienlage hergibt

  • Alpha-Blockerstarke EvidenzEvidenz: belastbar

    Rasche, gut belegte Symptomlinderung (IPSS −4 bis −6). Kein Effekt auf Prostatawachstum oder Progression (Lepor, 2016, PubMed).

  • 5-Alpha-Reduktase-Hemmerstarke EvidenzEvidenz: belastbar

    Verkleinern die Prostata und senken Harnverhalt- und Operationsrisiko, v. a. bei großem Volumen. Wirkung erst nach Monaten (McConnell et al., MTOPS, 2003, PubMed).

  • Kombination Alpha-Blocker + 5-ARIstarke EvidenzEvidenz: belastbar

    MTOPS und CombAT: stärkste Reduktion der klinischen Progression gegenüber Monotherapie, bei additiven Nebenwirkungen (McConnell 2003; Roehrborn 2010, PubMed).

  • Tadalafil 5 mg täglichgemischte EvidenzEvidenz: gemischt

    Metaanalyse: verbessert LUTS, besonders sinnvoll bei gleichzeitiger erektiler Dysfunktion; Effekt auf die Harnflussrate gering (Gacci et al., 2012, PubMed).

  • Phytotherapie (Serenoa repens)gemischte EvidenzEvidenz: gemischt

    Große Cochrane-Übersicht: kein relevanter Vorteil gegenüber Placebo. Kein zugelassener EU-Wirkungs-Claim (Tacklind et al., Cochrane 2012, PubMed).

Kombitherapie

Die Kombination aus Alpha-Blocker und Testosteron in das wachstumsfördernde DHT blockieren. Sie verkleinern eine große Prostata über Monate und senke…">5-Alpha-Reduktase-Hemmer verbindet den schnellen Symptomeffekt mit der langfristigen Wachstumsbremse. In den großen Studien MTOPS (McConnell et al., 2003) und CombAT (Roehrborn et al., 2010) reduzierte sie die klinische Verschlechterung stärker als jede Einzelsubstanz. Eine Auswertung der CombAT-Daten zeigte auch eine etwas bessere Besserung der Nykturie (Oelke & Roehrborn, 2014). Der Preis sind die kombinierten Nebenwirkungen beider Gruppen. Sinnvoll ist die Kombination vor allem bei großer Prostata plus mittelschweren Beschwerden und hohem Progressionsrisiko; nach 6–12 Monaten kann bei manchen Männern der Alpha-Blocker wieder abgesetzt werden.

Mittel gegen Harndrang

Wenn nicht der schwache Strahl, sondern Drang und häufiges Wasserlassen im Vordergrund stehen, reicht ein Alpha-Blocker oft nicht. Dann werden Antimuskarinika (z. B. Solifenacin, Tolterodin) oder der Beta-3-Agonist Mirabegron ergänzt. Die Kombination aus Alpha-Blocker und einem drangdämpfenden Wirkstoff verbessert die Speichersymptome deutlich, sofern die Restharnmenge unauffällig ist (Kaplan et al., 2006). Vor Beginn kontrolliert der Arzt den Restharn per Ultraschall, um einen Harnverhalt zu vermeiden. Mehr dazu im Beitrag Prostata und Harndrang.

Tadalafil und Phytotherapie

Tadalafil 5 mg täglich (ein PDE-5-Hemmer) ist zur Behandlung von BPH-Symptomen zugelassen. Eine Metaanalyse zeigte eine Verbesserung der Beschwerden, besonders attraktiv bei Männern mit gleichzeitiger erektiler Dysfunktion, weil beide Probleme mit einem Präparat adressiert werden (Gacci et al., 2012). Die Steigerung der Harnflussrate ist allerdings gering.

Phytotherapeutika wie Sägepalmenextrakt sind rezeptfrei beliebt. Die bislang größte Cochrane-Übersicht fand jedoch keinen relevanten Vorteil gegenüber Placebo (Tacklind et al., 2012), und einen nach EU-Recht zugelassenen Wirkungs-Claim gibt es nicht. Ein zeitlich begrenzter Versuch bei leichten Beschwerden ist vertretbar, ein Ersatz für die geprüften Wirkstoffe ist es nicht.

Wenn Medikamente nicht (mehr) reichen

Ein Wechsel zu einem operativen Verfahren wird erwogen bei: wiederholtem Harnverhalt, wiederkehrenden Harnwegsinfekten oder Blasensteinen, einer geschädigten Blase mit viel Restharn, wiederholtem sichtbaren Blut aus der Prostata oder schlicht unzureichender Wirkung der Medikamente trotz korrekter Einnahme. Die Bandbreite reicht heute von gewebeschonenden Verfahren bis zur klassischen Ausschälung. Sofort ärztlich abklären lassen: kein Wasserlassen möglich (Harnverhalt), Fieber mit Brennen, oder Blut im Urin.

Was jetzt sinnvoll ist

  1. 1Schwere der Beschwerden mit dem IPSS einordnen — er entscheidet über Abwarten, Medikament oder Eingriff.
  2. 2Bei mittlerem oder hohem Leidensdruck urologisch vorstellen und die Wirkstoffgruppen besprechen (Alpha-Blocker, 5-Alpha-Reduktase-Hemmer, Kombination).
  3. 3Steht der Harndrang im Vordergrund, das drangdämpfende Add-on und Verhaltensmaßnahmen ansprechen.
  4. 4Verordnete Medikamente konsequent und lange genug einnehmen — 5-Alpha-Reduktase-Hemmer wirken erst nach Monaten.starke Evidenzgut belegt
  5. 5Rezeptfreie Phytotherapie ist ein zeitlich begrenzter Versuch bei leichten Beschwerden, kein Ersatz für die geprüften Wirkstoffe.

Mitnehmen

  • 01Behandelt wird nach Leidensdruck (IPSS), nicht nach Prostatagröße.
  • 02Alpha-Blocker: schnelle Symptomlinderung, keine Wachstumsbremse.
  • 035-Alpha-Reduktase-Hemmer: verkleinern die große Prostata, senken Harnverhalt- und OP-Risiko, wirken erst nach Monaten, halbieren den PSA-Wert.
  • 04Kombitherapie bremst die Progression am stärksten; bei Drang zusätzlich Antimuskarinika/Mirabegron, bei ED-Begleitung Tadalafil.

Unsicher, ob deine Beschwerden dringend sind?

Warnzeichen ansehen

Weiterlesen

Nachgefragt

Häufige Fragen

Belege & Studien

7 anzeigen ▾
  1. 01Lepor H. Alpha-blockers for the Treatment of Benign Prostatic Hyperplasia. Urol Clin North Am. 2016. PubMed
  2. 02McConnell JD et al. The long-term effect of doxazosin, finasteride, and combination therapy on the clinical progression of BPH (MTOPS). N Engl J Med. 2003. PubMed
  3. 03Roehrborn CG et al. The effects of combination therapy with dutasteride and tamsulosin on clinical outcomes in men with symptomatic BPH (CombAT). Eur Urol. 2010. PubMed
  4. 04Oelke M, Roehrborn CG et al. Nocturia improvement in the combination of Avodart and tamsulosin (CombAT) study. World J Urol. 2014. PubMed
  5. 05Kaplan SA et al. Tolterodine and tamsulosin for treatment of men with LUTS and overactive bladder: a randomized controlled trial. JAMA. 2006. PubMed
  6. 06Gacci M et al. A systematic review and meta-analysis on the use of phosphodiesterase 5 inhibitors alone or in combination with alpha-blockers for LUTS due to BPH. Eur Urol. 2012. PubMed
  7. 07Tacklind J et al. Serenoa repens for benign prostatic hyperplasia. Cochrane Database Syst Rev. 2012. PubMed